Jüngste Geschichte

Culm kam am 22. Januar 1920 unter polnische Herrschaft. An diesem Tag marschierten die ersten Einheiten der polnischen Armee in die Stadt ein.

Die zwanzig Jahre umfassende Zwischenkriegszeit war für Culm nicht vorteilhaft. Ein wesentlicher Teil der Bevölkerung deutscher und jüdischer Herkunft verließ die Stadt, darunter viele Händler, Kaufleute, Industrielle und Lehrer. Ihr Wegzug hatte zur Folge, dass viel Kapital verloren ging sowie ein Investitionsbedarf entstand, für den es an entsprechenden Finanzmitteln mangelte. In dieser Zeit dehnt sich die Stadt in der Fläche erheblich aus. Sie wird elektrifiziert, der Slowacki-Park wird neu gestaltet und in seiner Nachbarschaft werden Sportanlagen angelegt. Unweit der Kaserne wird eine Promenade geschaffen.

Nach dem Angriff des Dritten Reiches auf Polen nimmt die Wehrmacht Culm am 5. September 1939 ein. Die deutschen Besatzer begannen sofort damit, die polnische und jüdische Bevölkerung von einer Vernichtungsaktion zu erfassen. Die 1842 errichtete Synagoge wurde abgerissen. Bei der Ortschaft Klamry (4 km von der Stadt entfernt) wurden während des Krieges 2000 Polen ermordet. Ein wesentlicher Teil der Bevölkerung wurde ihres Vermögens und ihrer Werkstätten beraubt. Anstelle vertriebener Polen ließen sich aus Deutschland stammende Siedler in Culm nieder. In den Kasernen der Stadt waren 5000 Soldaten der Wehrmacht stationiert.

Die deutsche Besatzung Culms endete am 27. Januar 1945, als die Armeen der II. Weißrussischen Front die Stadt einnahmen, ohne dass dieser Zerstörungen zugefügt wurden (Culm erlitt nur geringe Kriegsschäden). Nach dem Zweiten Weltkrieg begann Culm sich erst in den sechziger Jahren zu entwickeln. 1963 wurde eine Brücke über die Weichsel gebaut, wodurch die Verkehrsanbindung Culms verbessert wurde. Der bis in die achtziger Jahre bestehende Gleisanschluss spielte nur eine untergeordnete Rolle, weil wegen der Geländeform in Culm kein Gleisknotenpunkt angelegt werden konnte. Die in den siebziger Jahren errichteten Wohnsiedlungen trübten eher das Stadtbild. In den achtziger Jahren wurde die Hauptstraße der Altstadt, die ulica Grudziadzka (Graudenzer Straße), in eine Fußgängerzone umgebaut.

Heute verändert sich das Stadtbild Culms von Jahr zu Jahr. Die natürliche Schönheit der Stadt und ihrer Umgebung sowie das reiche historische Erbe in Form mittelalterlicher Bauwerke bieten vielfältige Möglichkeiten, vor allem im touristischen Bereich. Wie viele andere polnische Städtchen schwimmt Culm nicht gerade im Geld. Glücklicherweise werden jedoch die außergewöhnlichen Qualitäten des Orts immer häufiger wahrgenommen, so dass es möglich ist, Finanzmittel für die Stadtsanierung zu gewinnen. 2005 wurde ein mit Mitteln des Europäischen Regionalentwicklungsfonds gefördertes Programm zur Revitalisierung historischer Bauwerke in Angriff genommen, das wesentlich zur Rettung der Culmer Stadtmauer sowie zur Erneuerung der fast in Vergessenheit geratenen und vom Verfall bedrohten Franziskanerkirche und der Dominikanerkirche beigetragen haben. Im selben Jahr wurde Culm in die Liste der Geschichtsdenkmäler des Präsidenten der Republik Polen aufgenommen, was vielleicht den Weg für einen Eintrag der Culmer Altstadt in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes eröffnet. Culm gehört auch zu den Städten, die sich am internationalen Projekt Europäische Route der Backsteingotik beteiligen. Seit kurzem wirbt die Stadt für sich mit dem Slogan „Culm - Stadt der Verliebten”. Anlass dafür ist der Besitz einer Reliquie des heiligen Valentin, die sich in einem der Altäre der Pfarrkirche befindet.

Wie man sieht, hat Culm die große Chance, das Image eines grauen Städtchens, an dem der Zahn der Zeit nagt, abzuschütteln. Es gibt jedoch noch viel zu tun. Culm versteht es, die Menschen unabhängig von unseren Anstrengungen zu verzaubern. Wenn wir aber die Bedeutung der Stadt als Fremdenverkehrsort stärken wollen, müssen wir immer daran denken, dass wir unsere Gäste nicht alleine lassen dürfen, sondern sie begrüßen und betreuen müssen. Es ist nicht schwer, Touristen in die Stadt zu locken. Eine Herausforderung ist es jedoch, sie davon zu überzeugen, länger zu bleiben, Culm mehr als nur einmal zu besuchen und die Stadt auch Bekannten zu empfehlen. Wenn das gelingt, wird die Zukunft der Stadt vielversprechend sein.

Denken wir daran, dass uns unsere Vorfahren einen Schatz hinterlassen haben, den wir pflegen müssen, damit wir unsererseits nicht nur einen Haufen Ziegel vererben...

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© Grzegorz Góra, moje-chelmno.pl